Neue AGR-Präsidentin will eine Anfrage zur Religionsfreiheit starten

Die Schweizerische Evangelische Allianz (SEA) zeigt kein Verständnis für die Anfrage zur Minarett-Initiative. Die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) hatte Anfang November bei der Schweizer Botschaft in Saudi-Arabien Auskunft über die Initiative zum Verbot von Minaretten verlangt.

Der Antrag der Organisation islamischer Staaten erstaune sie, sagte Annette Walder-Stückelberger, Präsidentin der Arbeitsgemeinschaft für Religionsfreiheit (AGR) der SEA, anlässlich einer Medienorientierung. Dies insbesondere, da sie von einer Gemeinschaft komme, in der die Religionsfreiheit - wenn überhaupt - nur sehr bedingt gewährleistet sei. In zahlreichen islamischen Staaten würden die UNO-Menschenrechte nur unter Vorbehalt der Scharia akzeptiert. Diese sehe für Menschen, die vom Islam zu einer anderen Religion wechseln, das Todesurteil vor, sagte Walder-Stückelberger.

Religionsfreiheit bedroht?

Diese Diskriminierungen stünden in krassem Gegensatz zur angesprochenen Initiative der OIC. In Ägypten beispielsweise gebe man sich erstaunt, dass ein demokratisches Land wie die Schweiz solche Ideen gebären könne. Man sehe die Religionsfreiheit in der Schweiz bedroht. Die OIC hatte deshalb im November letzten Jahres in Riad (Saudi-Arabien) eine Anfrage an die Schweizer Regierung gerichtet, was es mit der Minarett-Initiative auf sich habe.

«Mir scheint, dass die OIC ein Thema aufgreift, das weltweit betrachtet von äusserst marginaler Relevanz ist. Damit vermittelt sie der islamischen Welt den Eindruck, die Schweiz gehöre an den öffentlichen Pranger - nur schon deshalb, weil einige Bürger es wagen, ihre Meinung über den Bau von Minaretten zu äussern», so Walder-Stückelberger.

«Wir müssten fragen»

In den meisten islamischen Ländern sei der Bau von christlichen Kirchen gar nicht erlaubt oder mit vielen Schikanen belegt, erinnerte Walder-Stückelberger die Anwesenden. Rund 200 Millionen Menschen würden heute wegen ihres christlichen Glaubens nicht nur, aber ganz besonders in islamischen Staaten diskriminiert, verfolgt, ja zum Teil sogar mit dem Tod bedroht.

«Müssten somit nicht viel eher wir eine Anfrage an die OIC richten und unsere Besorgnis über die Religionsfreiheit in ihren Staaten zum Ausdruck bringen?», führte Walder-Stückelberger ihre Auffassung weiter aus. Unsere demokratische Staatsform sehe vor, dass der Souverän den Beschluss einer Behörde oder Regierung anfechten könne. «In diesem Sinn sehe ich spätestens jetzt den Zeitpunkt gekommen, dass auch unsere Regierung sich bei den Staaten der OIC nach der Religionsfreiheit für Christinnen und Christen in ihren Ländern erkundigt», betonte die Präsidentin. Die AGR werde über einen entsprechenden Vorstoss diskutieren.

Bruno Graber


Die Arbeitsgemeinschaft für Religionsfreiheit (AGR) ist ein Forum für eigenständige, in der Schweiz domizilierte christliche Organisationen, die sich weltweit für verfolgte Christen einsetzen. Die AGR versteht sich als Arbeitsgemeinschaft der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA) und als deren Stimme in der Öffentlichkeit. Sie setzt sich für die Religionsfreiheit gemäss Menschenrechtsartikel 18 der UNO dort ein, wo die Rechte von Christen ausserhalb der Schweiz tangiert sind. Die Hauptaktivität der AGR ist die Gestaltung des Sonntags für die verfolgte Kirche.

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